Herzinsuffizienz: Wie körperliche Anstrengung versteckte Veränderungen im Körper aufdeckt

Chronische Herzinsuffizienz betrifft weltweit viele Millionen Menschen und schränkt ihre körperliche Belastbarkeit stark ein. In dieser Studie haben wir gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen von der Universität Greifswald untersucht, wie sich eine einmalige kurze körperliche Anstrengung auf bestimmte Stoffwechsel- und Immunprozesse bei Patienten mit Herzinsuffizienz auswirkt.

Im Mittelpunkt stand Tryptophan, eine Aminosäure aus der Nahrung. Tryptophan kann im Körper in unterschiedliche Stoffe umgewandelt werden – einige eher schützend, andere eher entzündungsfördernd. Wir haben untersucht, ob sich die Art, wie Tryptophan vom Stoffwechsel weiterverarbeitet wird, nach einer einmaligen und genau definierten körperlichen Belastung verändert. Untersucht wurden Patienten mit Herzinsuffizienz und eine Kontrollgruppe, deren Teilnehmer eine ähnliche Alters- und Geschlechtszusammensetzung hatten.

Während die Teilnehmer der Kontrollgruppe, Tryptophan eher in das schützende Stoffwechselprodukt Kynurenat weiterverarbeiteten, kam es bei den Patienten mit Herzinsuffizienz zur Bildung von Stoffen, die mit Entzündung und Zellschädigung in Verbindung stehen (Quinolinat). Gleichzeitig stieg bei Patienten mit Herzinsuffizienz nach der körperlichen Belastung im Blut die Menge von bestimmten Botenstoffen des Immunsystems (Interleukin-1 beta und Interleukin 12p70) und die Anzahl der natürlichen Killerzellen. Wir konnten zeigen, dass die natürlichen Killerzellen unter diesen entzündungsfördernden Bedingungen die Verarbeitung von Tryptophan zum eher ungünstigen Quinolinat fördern können.

Bedeutet das, bei Patienten mit Herzinsuffizienz ist Sport schädlich?

Nein! Viele Studien haben gezeigt, dass regelmäßige körperliche Aktivität die Herzgesundheit stärkt und die Krankheitslast und das Sterberisiko verringert. Was unsere Daten aber zeigen ist, dass eine einmalige Belastung offenbar andere biologische Reaktionen auslöst als bei Gesunden. Vor dem Belastungstest waren diese Unterschiede bei den Patienten im Vergleich zur Kontrollgruppe nicht zu erkennen. Wir möchten daher Belastungstests künftig nutzen, um solche ungünstigen Stoffwechselmuster früh zu erkennen und damit eine verbesserte Risikostratifizierung zu ermöglichen. Dies könnte helfen, frühzeitig gegenzusteuern, bevor Schäden am Herzen oder den Blutgefäßen auftreten.

In weiterführenden Studien untersuchen wir außerdem, ob bei Patienten mit bestehender Herzinsuffizienz ein regelmäßiges körperliches Training die Fähigkeit des Körpers verbessert, mit einem einzelnen Belastungsreiz umzugehen.

Kooperationspartner

PD Dr. Dr. Martin Bahls, Universität Greifswald

Herzinsuffizienz: Wie körperliche Anstrengung versteckte Veränderungen im Körper aufdeckt

Publikation: NK-Zellen und Veränderung des Tryptophan-Abbaus bei Patienten mit Herzinsuffizienz nach einmaliger körperlicher Belastung